Metallica

Metallica

Ungelesener Beitragvon Teddy2904 » 11. Aug 2011, 15:56

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Metallica , 1981 im kalifornischen Norvale im Großraum Los Angeles gegründet, waren mit "Stakkato-Gitarrengewitter, tonnenschwerem Schlagzeug und wütend gebellten Lyrics" ("Tip") der Inbegriff von Heavy Metal: "glaubwürdig, kompromisslos, erfolgreich" ("Stereoplay"). "Angesichts überlebensgroßer Ängste exorzierten die Metallica-Songs die tägliche Bedrohung, indem sie sich mit ihr identifizierten" ("New York Times"). Das 1991 veröffentlichte Album mit dem Bandnamen als Titel erreichte eine Weltauflage von 30 Millionen Exemplaren, davon 15 Millionen in den USA. Bis 2007 hatte das Quartett rund 100 Millionen Tonträger abgesetzt, etwa 1500 Konzerte gegeben, davon allein in den USA vor zwölf Millionen Menschen, und sieben Grammys eingeheimst.

Drummer Lars Ulrich, am 26. Dezem-ber 1963 in Kopenhagen geboren, sollte nach dem Wunsch seines Vaters Torben Ulrich, eines früheren Tennis-Cracks, professioneller Tennisspieler werden, sein Aufschlag war aber, wie sich 1980 in Los Angeles herausstellte, nicht ausreichend. Enttäuscht ging er nach London zurück, wo er sich schon mit mächtigen Trommelschlägen als Musiker versucht hatte. Auf dem Sampler The New Wave Of British Heavy Metal (1979) des HM-Magazins "Kerrang!" war er mit einem Stück vertreten.

Nach einer Englandtournee mit der Band Diamond Head ging er nach Los Angeles zurück und rekrutierte aus Anzeigen in einem Musikblatt James Alan Hetfield (voc, g), geb. am 3. August 1963 in Los Angeles, und Lloyd Grant (g) für Metallica. Grant wurde 1982 durch den alkoholabhängigen Dave Mustaine (g) ersetzt, den Ulrich ein Jahr später wieder feuerte und dafür den am 18. November 1962 in San Francisco geborenen Kirk Hammett (g) in die Band holte. Mustaine machte mit seiner Band Megadeth (siehe Bio) Metallica später spürbar Konkurrenz. Am Bass erweiterte Cliff Lee Burton, geb. am 10. Februar 1962 in Los Angeles, die nun in San Francisco ansässigen Metallica zum Quartett.

Ihr Debütalbum Kill 'Em All (1983) auf Megaforce war mit Stücken wie No Remorse, Seek And Destroy ein grimmiger Zerrspiegel von Kriegsgräueln und Straßengewalt. Hetfields und Hammetts Unisono-Riffs, Burtons beweglicher Bass, vor allem aber Ulrichs in den Vordergrund gemischter Drum-Sound griffen stilistische Elemente des britischen Heavy Metal auf, übertrafen diesen aber an rhythmischer Extravaganz und Präzision. Ausgeklügelte Rhythmus- und Taktwechsel sowie die rasanten Unisonopassagen vieler Metallica-Songs strahlten aber auch eine gewisse Kälte aus, die an früheren Fusion Jazz erinnerte.

Mit der zweiten LP Ride The Lightning (1984) gehörten Metallica bereits zum kleinen Zirkel der Super Groups innerhalb des Heavy Metal-Genres, wechselten von Megaforce zu Elektra und nahmen 1985 an den Monsters of Rock-Festivals teil. Ohne bis dahin ein einziges Promotion-Video gedreht zu haben, erhielt die Band für Master Of Puppets 1986 die erste Platinauszeichnung in den USA. Ulrich: "Viele Songs auf dieser Platte erkunden verschiedene Arten von Manipulation." Als "Drahtzieher" sah er Drogendealer, menschenverachtende Generäle und machtgierige Prediger.

Der wachsende Erfolg wurde vom Tod Burtons überschattet, der am 27. September 1986 während einer Skandinavientour ums Leben kam, als der Bandbus auf eisglatter Straße verunglückte. Im ersten Schock wollten Ulrich und Hetfield die Band auflösen, holten dann aber Jason Newsted (bg), geb. am 4. März 1967 in Battle Creek, Michigan, zu Metallica. Newsted versuchte nicht, Burtons für eine Metal-Band ungewöhnlichen Stil nachzuahmen, sondern lehnte sich mit seinem Spiel eng an Hetfields Gitarrenrhythmik an. Trotzdem fanden die vier Musiker nur langsam eine neue gemeinsame Basis: Die 1987 in einem High Tech-Studio begonnenen Aufnahmen für eine weitere LP wurden bald in Ulrichs zum Studio ausgebaute Garage verlegt. Das Resultat, $5.98 EP - Garage Days Re-Revisited, enthielt lediglich fünf Coverversionen von Lieblingssongs der Bandmitglieder.

Der Siegeszug Metallicas, deren Seek And Destroy längst zum Schlachtruf der Fans geworden war, wurde dadurch nicht aufgehalten: ... And Justice For All (1988) und Metallica (1991) sorgten für zahlreiche Platin- und Goldauszeichnungen, 1990, 1991 und 1992 erhielt die Band für die "Best Metal Performance" Grammys. Nach der Veröffentlichung der Kassette Live Shit: Binge And Purge (1993), die zwei CDs und drei Videos enthielt, "nach jahrelangen Exzessen im Backstage-Bereich, handfesten Auseinandersetzungen im Studio und komatösen Alkoholorgien", die ihnen den Spottnamen "Alcoholica" einbrachten, änderte das rüde Quartett seinen Lebensstil und zeigte mit dem Album Load (1996), so "Tip", "eine rückstandsfreie, fast artige Neuordnung der eigenen Wertigkeiten: Statt neuer Bestmarken in den Kategorien härter, aggressiver und schneller zu setzen, präsentierten die Götter des Metal eher harmoniebeseelten Metal Light."

Äußerlich verändert und nun an Depeche Mode erinnernd, hatten Ulrich, Hetfield, Hammett und Newsted erneut die Grenzen von Heavy Metal erweitert. "Es gibt keinen Heavy Metal mehr", konstatierte Hetfield, "dieser Stil ist innerhalb der Grenzen erstarrt, die er sich selbst gesetzt hat." In 14 Songs waren Countryanklänge, Jazzelemente, Blues und Balladen zu hören, mit denen Metallica vorerst vom Trash Metal Abschied nahmen. Das Folgealbum Reload (1997), das im Wesentlichen aus Songs bestand, die während der Sessions zu Load aufgenommen worden waren, und auch ein Stück taumelnden Gesangs von Marianne Faithfull enthielt, bekräftigte, dass sich die "Götter" nunmehr am Zeitgeist orientierten. Jason Newsted 1997: "Ich kann mir nicht vorstellen, mit 50 noch headbangend über die Bühne zu hetzen. Ich könnte mir viel eher vorstellen, in einer Jazzband Kontrabass zu spielen und Elvis-Songs zu covern."

Mit Reload auf Platz eins der US-Charts ging die laut Leser- und Kritiker-Poll des amerikanischen "Rolling Stone" "Best Hard Rock Band" zunächst einmal wieder auf Tournee durch drei Kontinente: Australien, Nordamerika, Europa. Bei ihrer Rückkehr nach Kalifornien Ende 1998 lagen zu einigen ihrer CDs neue Verkaufszahlen vor: Reload hatte sich bis dahin drei Millionen Mal verkauft, Master Of Puppets fünf Millionen Mal, Metallica sogar elf Millionen Mal. Für das im Herbst erschienene Album Garage Inc. (1998), ausschließlich mit Coverversionen zu Songs u. a. von Diamond Head, Killing Joke, Motörhead, Lynyrd Skynyrd und Nick Cave, wurde von der RIAA kurze Zeit später die Auflagenhöhe nachgereicht: vier Millionen verkaufte Exemplare.

Dann gab es einen Grammy für die "Best Metal Performance" (Better Than You), und San Franciscos Bürgermeister Willie Brown deklarierte den 7. April zum Metallica Day. "Dann kann ich wohl jetzt all meine unbezahlten Parktickets wegschmeißen", kommentierte Kirk Hammett lakonisch. Nun dachte auch Lars Ulrich, Filmfanatiker, Kunstsammler (Jackson Pollock, Franz Klein, Motherwell) und Gründer des Nachwuchslabels The Record Company, öffentlich über die Zeit nach Metallica nach, "weil ich mit dieser Band in 17 Jahren schon alles erlebt habe. Ich könnte zum Beispiel Platten produzieren, Regie führen, ein Buch schreiben oder sechs Monate durch Nepal wandern. Ich weiß, dass viele Rockstars mit einer Schauspielerkarriere liebäugeln, aber das ist nicht mein Ziel. Nur: Metallica ist die einzige Band, in der ich je gespielt habe, und ist auch die einzige, in der ich jemals spielen werde."

Aber eine kleine Erweiterung durch ein Symphonieorchester durfte es schon mal sein. Im April 1999 gaben Metallica mit dem 108-köpfigen San Francisco Symphony Orchestra in Berkeley, Kalifornien, unter Leitung des Komponisten Michael Kamen (siehe Bio) Konzerte, die das Doppelalbum S & M (1999) abwarfen. Weitere Auftritte mit "Symphony & Metal", ebenfalls unter Leitung von Kamen, folgten mit den Berliner Symphonikern vor 7000 Zuhörern im Velodrom, mit dem New York Symphony Orchestra im Madison Square Garden. "Wieder einmal", notierte die "FAZ", "waren die Musiklehrer landauf, landab wild begeistert." Die "Berliner Morgenpost" registrierte einen "außergewöhnlichen Abend zwischen Triumph und Missklang" - "Und die leidensfähigsten Fans dieser Welt", so "Die Welt", "entfachten ihr Feuerzeug."



LPs:
Kill 'Em All (1983)
Ride The Lightning (1984)
Master Of Puppets (1986)
Garage Days Revisited (1987)
And Justice For All (1988)
Metallica (1991)

Live Shit:
Binge And Purge (1993 Live 3-CD-Box Set + 2 DVDs)
Load (1996)
Reload (1997)
Garage Inc. (1998)
Cunning Stunt (1998 live in Fort Worth 1997)
S & M (1999 live mit dem San Francisco Symphony Orchestra)
St. Anger (2003)
Death Magnetic (2008)
Für dunkle Stunden wünsche ich mir die Eigenschaften der Sonnenblume, sie hält ihr Gesicht ins Licht, damit aller Schatten hinter sie fällt
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